Saadani-Nationalpark

Einleitung

Der Saadani Nationalpark liegt mitten im historischen Dreieck zwischen Bagamoyo, Pangani und Sansibar und umfasst eine Fläche von 1.100 km². Er ist das einzige Naturschutzgebiet in Tansania, das ans Meer grenzt. Es herrscht heißes und feuchtes Küstenklima vor. Der Park bietet eine einzigartige Kombination von Flora und Fauna sowohl des Meeres als auch des Festlands, zudem in einem kulturell faszinierenden Umfeld. Er beherbergt neben zahlreichen Reptilien und Vögeln etwa 30 Arten größerer Säugetiere. Darüber hinaus tummeln sich im angrenzenden Ozean etliche Fischarten (über 40), Grüne Meeresschildkröten, Buckelwale und Delfine.  

Der 2005 amtlich anerkannte Park umfasst ein erhaltenes Ökosystem, welches das ehemalige Saadani Wildreservat, das ehemalige Mkwaja Farmgebiet, den Fluss Wami sowie den Zaraninge-Wald beinhaltet. Rings um den Park gibt es zahlreiche Dörfer. Bevor der Zaraninge-Wald in den Nationalpark übernommen wurde, unterstand er der Verwaltung des World Wide Fund for Nature (WWF), dessen Ziel die Erhaltung der extremen botanischen Vielfalt in einem der letzten in Tansania verbliebenen Küstenregenwälder war.

Geschichte und Kultur          

Das Dorf Saadani war früher eine bedeutende Hafenstadt und ein Umschlagplatz für den Sklavenhandel in Ostafrika. Heute ist es ein kleines Fischerdorf der Suaheli mit rund 800 Einwohnern, die vorwiegend vom Fischfang leben. Andere an den Park angrenzende Dörfer bestreiten ihren Lebensunterhalt mit Landwirtschaft, insbesondere mit Kokosnussanbau. 

Nach Zeiten unter portugiesischer und arabischer Herrschaft gewann die Region im 18. und 19. Jahrhundert infolge der steigenden internationalen Nachfrage nach Elfenbein und Sklaven an Bedeutung. Das eigentliche Dorf Saadani entstand zusammen mit Ortschaften wie Bagamoyo und Pangani als neue Handelsposten, die Sansibar mit Fernhandelsrouten aus Tabora verbanden. Ende des 19.

ahrhunderts herrschte Bwana Heri bin Juma in Saadani. Nach mündlicher Überlieferung gilt er als mythischer Gründer und Held des Dorfs, da er allen Versuchen Sansibars zur Besetzung der Ortschaft trotzte und die Truppen des Sultans 1882 besiegte. 1886 wurden die Grenzen des deutschen Protektorats errichtet. Zwei Jahre später organisierten die Küstenbewohner unter der gemeinsamen Führung von Abushiri bin Salim al Harth und Bwana Heri den Widerstand gegen die Deutschen. Am 6. Juni 1889 wurde Saadani bombardiert und von den Deutschen erobert. Da die Deutschen Bwana Heri als ehrenhaften Feind betrachteten, wurde er damit beauftragt, Saadani wiederaufzubauen.

Saadanis und Bagamoyos Karawanenhandel erfuhr Ende des 19. Jahrhunderts einen Abschwung, während Daressalam zum wichtigsten Handelszentrum der Küstenregion aufstieg. Die landwirtschaftliche Produktion der Küste, beispielsweise Reis, Zucker und Kopra, die nach Sansibar und ins Gebiet des Indischen Ozeans exportiert wurde, verschwand nach dem deutschen Einmarsch. Sie wurde durch Marktfruchtbau wie Kaffee, Baumwolle und Sisal für den europäischen Markt ersetzt. Nach der Übergabe des Protektorats an die Briten im Anschluss an den Ersten Weltkrieg wurden im Gebiet von Saadani Sisal-, Kapok- und Cashewnussplantagen sowie Rinderfarmen errichtet. Die Ruinen von Steinhäusern legen noch heute Zeugnis von der einstigen Blüte der Gegend ab. Auch ein altes deutsches Boma (Regierungsgebäude) und mehrere Gräber gibt es in Saadani nach wie vor.

Savanne

Die feuchte Savanne des Saadani Nationalparks lässt sich in drei einfach zu unterscheidende Arten unterteilen: eine Grassavanne mit krautartiger, bis zu zwei Meter hoher Vegetation und vereinzelten Palmen; Weideland mit kurzem Gras, das vorwiegend auf ehemaligen Sisalplantagen zu finden ist; und dunkle Baumwollebenen, wo durch den Lehmboden besonders raue Bedingungen vorherrschen.

Außerdem lässt sich ein unterschiedlicher Grad an Baumbewuchs feststellen: Typisch für Saadani ist die Acacia zanzibarica, eine Akazienart mit langen Stacheln, die große Gebiete des Parks bedeckt.    

Zu den Bewohnern der Grassavannen gehört der Büffel, der bis zu 850 kg auf die Waage bringt. Auch mehrere Herden von Kuhantilopen kann man im Saadani Nationalpark beim Grasen beobachten. Der gemeine Wasserbock kommt im gesamten Parkgebiet vor. Dieser Grasfresser wiegt bis zu 270 kg und ist leicht anhand eines weißen Rings um den Schwanz zu erkennen. Besonders hoch im Saadani Nationalpark ist die Dichte an Riedböcken, wenngleich es trotzdem schwierig sein kann, diese mittelgroße Antilopenart (45 kg) zu sichten, weil sich die Tiere gern im hohen Gras hinlegen, um Schutz zu suchen. Warzenschweine sind allgegenwärtig und wagen sich sogar bis ins Dorf Saadani vor. Da die meisten Dorfbewohner Moslems sind, haben die Warzenschweine mittlerweile erkannt, dass sie ihnen nichts tun.         

Die höchsten Tiere der Welt und zugleich das Nationalsymbol von Tansania – Giraffen – tummeln sich zahlreich im Saadani Nationalpark. Ihre Zungen verfügen über spezielle Hornhautplatten, durch die sie besonders gut angepasst sind, um sich vom Blattwerk der dornigen Akazien zu ernähren.

 In den Kurzgrassavannen grasen große Herden von Streifengnus. Sie wurden in den 1970er Jahren in dem Gebiet angesiedelt. Weitere eingeführte Arten sind das Steppenzebra und die Elenantilope.

Auch der Löwe als größter Fleischfresser Afrikas ist in Saadani zu finden, wenngleich man ihn selten zu sehen bekommt. Nachts hört man die Hyänen und begegnet Ginsterkatzen, Stachelschweinen und Zibetkatzen. Weitere Arten, die man innerhalb des Parks beobachten kann, sind Buschböcke, Pinselohrschweine, Steppenpaviane und Südliche Grünmeerkatzen.

Fluss und Meer

Von Osten nach Westen verändert sich das offene Meer von Korallenriffen hin zu einem Brackwasserökosystem, gekennzeichnet von Mangrovenwald, Salztonebenen und kahlen Salzgebieten. Weiter im Landesinneren stellt der Wami neben etlichen temporären Flüssen und Dämmen die wichtigste Süßwasserquelle dar.

Bei Ebbe zieht sich das Meer um bis zu 100 Meter zurück und bildet eine praktische Passage für Einheimische und Wildtiere. Diese Strände sind die einzigen nördlich von Daressalam, wo nach wie vor Meeresschildkröten ihre Eier legen. Die verbreitetste Art ist die Grüne Meeresschildkröte, die größte der hartschaligen Meeresschildkröten. Die größten Bedrohungen für die Schildkröten sind neben Nestdieben am Strand der gewerbliche Fischfang und die Wasserverschmutzung. Der Meeresanteil des Parks umfasst die Mafui-Sandbänke, deren bunte Korallenriffe wichtige Brutplätze für zahlreiche Fischgattungen sind.

In der Übergangszone, unmittelbar über dem Meeresspiegel, wachsen immergrüne Mangrovenbäume. Diese salztoleranten Gezeitenwälder bieten etlichen Vogelarten, Fledermäusen, Affen, Flusspferden und Reptilien eine Ruhe- und Nahrungsstätte. Auch viele Meeresbewohner wie Garnelen legen ihre Eier in diesen geschützten Lebensräumen. Die hohe Nachfrage nach dem widerstandsfähigen Mangrovenholz führt zu Raubbau, wodurch der Schutz dieser Wälder umso wichtiger ist. Im Saadani Nationalpark wächst ein großer

angrovenwald entlang des Wami. Hier kann man auch große Flusspferdherden beobachten. Auch das Nilkrokodil lebt hier. Der Wami ist außerdem ein hervorragendes Gebiet, um Vögel wie den Eisvogel, den Fischadler und zahlreiche Arten von Stelzvögeln zu beobachten.

Wald und Buschland

Der weniger bekannte Küstenwald zeichnet sich durch eine hohe Artenvielfalt mit vielen Pflanzen aus, die nur in diesem Gebiet (endemisch) vorkommen. Der Wald spielt eine wichtige Rolle beim Schutz der Erde vor Erosion und reguliert so auch den Wasserkreislauf. Neben den zwei großen Wäldern – Zaraninge und Kwamsisi – stellen zahlreiche kleinere Wald- und Buschlandstreifen einen wichtigen Lebensraum für Tiere dar.  Diese Gebiete sind anfällig für illegale Abholzung, Holzkohleproduktion und Ackerlandausweitung.

Die Elefanten in Saadani sind relativ scheu und verstecken sich tagsüber in der Regel gern in den bewaldeten Teilen des Parks. Auch Leoparden trifft man im dichten Busch- und Waldland (Dickichten) an. Diese Tiere bekommt man selten zu sehen, da sie vorwiegend nachtaktiv sind, und sie können in nächster Nachbarschaft zu Menschen leben. Weitere interessante Tiere, die hauptsächlich in Waldgebieten leben, sind der Große Kudu und kleinere Antilopen wie Moschusböckchen und Ducker. Die Wipfel der Bäume werden von Stummelaffen bevölkert, die sich wie fast alle Affen vorwiegend von Blättern ernähren, von rein nachtaktiven Buschbabys sowie von etlichen Früchte essenden Vogelarten, Insekten und Schmetterlingen.

Anreiseinformationen

Mit dem Auto

Der Saadani Nationalpark liegt ungefähr 45 km nördlich von Bagamoyo. Sobald die derzeit in Bau befindliche Brücke fertiggestellt ist, wird der Park von Daressalam aus via Bagamoyo einfach über den Wami erreichbar sein. Derzeit jedoch ist von Daressalam aus ein Umweg von 200 Kilometern über die Chalinze-Msata-Straße erforderlich, um den Park zu erreichen.

Von Norden gelangt man aus Tanga zum Park, indem man den Pangani mit einer Fähre überquert (75 km / Fahrtzeit drei Stunden). Zur Insel Sansibar sind es vom Park aus etwa 40 km.

Es gibt eine tägliche Busverbindung zwischen Daressalam und Saadani sowie zwischen Tanga und Mkwaja.

Auf dem Luftweg

Ein Transfer auf dem Luftweg kann zu den Landepisten Mkwaja oder Saadani organisiert werden.

HINWEIS: In der Regenzeit (März bis April) kann das Reisen in den südlichen Teilen des Parks aufgrund der schlammigen Straßen äußerst schwierig sein. Es wird empfohlen, sich vor Antritt der Reise über den Zustand der Straßen zu informieren.

Unterkunft

TANAPA Rasthäuser und Bandas stehen in der Nähe des Dorfs Saadani und in der Zentrale des Parks in Mkwaja zur Verfügung. Im Park gibt es mehrere Campingplätze, beispielsweise entlang des Wami (Kinyonga), Tengwe und am Strand.

Außerdem gibt es innerhalb und außerhalb des Parks private Unterkünfte wie Saadani Safari Lodge, KISAMPA und ein Zelt mit Aussicht.

Regeln und Vorschriften des Parks

Aufgrund seiner Lage im Küstengebiet von Tansania und zahlreichen divergierenden Interessen bei der Entwicklung dieser Region ist der Saadani Nationalpark mit vielen Bedrohungen seines Überlebens konfrontiert. Die Schlimmsten davon sind Wilderei und der stetig steigende Bedarf an Land zur Versorgung der großen und wachsenden Bevölkerung um den Park. Ihr Verhalten kann so schädlich wie die Fallen eines Wilderers sein.

Das unerlaubte Fahren abseits der Straßen beeinträchtigt den Boden und die Pflanzen dieser empfindlichen Ökosysteme und kann Arten in kritischen Brutperioden stören. Sie können dabei helfen, den Saadani Nationalpark und seinen einzigartigen Charakter zu erhalten, indem Sie sich an unsere folgenden allgemeinen Regeln und Vorschriften halten:

  • Halten Sie sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h. Dies dient sowohl Ihrer Sicherheit als auch der Sicherheit der Wildtiere.
  • Fahrten in der Nacht (19:00 bis 06:00 Uhr) sind nicht gestattet.
  • Bleiben Sie auf den gekennzeichneten Straßen/Wegen.
  • Stören und füttern Sie keine Wildtiere.
  • Unterlassen Sie es in der Nähe von Tieren, aus Ihrem Fahrzeug auszusteigen, sich auf Ihr Fahrzeug zu stellen oder sich aus Ihrem Fahrzeug zu lehnen. 
  • Grüne Meeresschildkröten sind vom Aussterben bedroht, und es gibt nur begrenzt Brutplätze für sie. Stören Sie am Strand weder die erwachsenen noch die frisch geschlüpften Tiere oder die Nester.
  • Korallenriffe sind empfindliche Lebensräume für die Unterwasserfauna. Brechen Sie keine Korallen ab und gehen Sie nicht auf den zerbrechlichen Korallen.
  • Lassen Sie sämtliche Pflanzen, Tiere, Schädel, Knochen, Steine oder sonstigen Gegenstände im Park, wo sie hingehören.
  • Bringen Sie keine Tiere, Pflanzen und/oder sonstigen Gegenstände in den Park.
  • Picknicks sind nur an genehmigten Stellen erlaubt. 
  • Lassen Sie keinen Müll zurück: Nehmen Sie ihn mit oder entsorgen Sie ihn ordnungsgemäß.
  •  Dämpfen Sie Zigaretten ausschließlich im Aschenbecher Ihres Fahrzeugs aus, um ein Buschfeuer zu vermeiden.
  • Zünden Sie Feuer ausschließlich an genehmigten Lagerstätten an.
  • Denken Sie daran, dass die Tore des Parks um 06:00 Uhr geöffnet und um 18:00 Uhr geschlossen werden.
  • Sie betreten den Park auf eigene Gefahr.

Die Verwaltung und das Personal des Saadani Nationalparks heißen Sie herzlich willkommen und wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt.

www.saadanipark.org

 

 

Fisherman at Saadani

 

Waterbuck

 

Two giraffes

 

Elephant

 

Three Zebras

 

Group of waterbucks